Quantz Solfeggi Projekt
Die Quantz-Solfeggi als Schlüssel zur historischen Aufführungspraxis
Während Johann Joachim Quantz' berühmtes Lehrwerk Versuch einer Anweisung, die Flöte traversiere zu spielen (1752) weltweit als theoretisches Standardwerk bekannt ist, gewähren die sogenannten Solfeggi einen seltenen Einblick in die direkte Unterrichtspraxis des 18. Jahrhunderts. Die erhaltene Handschrift aus der Giedde-Sammlung der Königlichen Bibliothek Kopenhagen stammt aus dem direkten Umfeld von Quantz' Schüler Augustin Neuff und hält Details fest, die normalerweise nur mündlich weitergegeben wurden. Dazu zählen spezifische Anmerkungen zu Artikulationssilben wie ti, tiri oder di, die feingliedrige Gestaltung von Inegalität (notes inégales) sowie die unmittelbare Umsetzung von Affekten durch Luftführung und Klangfarbe. Auf dem Papier wirken diese Aufzeichnungen oft kryptisch, entfalten jedoch auf der historischen Traversflöte ihre volle klangliche Brillanz.
Ziel dieses Projektes ist es, die Diskrepanz zwischen stummem Archivmaterial und lebendiger Aufführungspraxis aufzulösen. Im Zentrum steht eine ca. 40-teilige, frei zugängliche Videoserie mit einer Episodenlänge von jeweils 5 bis 10 Minuten, die auf YouTube sowie auf dieser Website gebündelt wird. Jedes Video widmet sich anhand eines Solfeggio-Ausschnitts einer spezifischen musikalischen Fragestellung. Der Bogen spannt sich dabei von der künstlerischen Einspielung auf der Traversflöte über die spurenkundliche Dekodierung der historischen Anmerkungen bis hin zur Übertragung der gewonnenen Erkenntnisse auf weitere Repertoirestücke der Zeit.
Das Angebot richtet sich gleichermaßen an professionelle Musiker:innen, Studierende sowie an Laien und Enthusiasten der historischen Aufführungspraxis (HIP). Um internationale Reichweite und Barrierefreiheit zu gewährleisten, sind alle gesprochenen Erklärungen auf Deutsch und Englisch untertitelt.
